Entstehung des Hilari-BrauchesHILARI
Hilarius heisst auf lateinisch heiter, fröhlich, was offenbar geradezu als Verpflichtung zum Festen und Feiern empfunden wurde. Die Festlichkeiten, die im ehemaligen Amt Uhwiesen eh und je um den Hilariustag (13. Januar) begangen wurden, betrachtet man als Zeugnisse für ein Hilarius-Patrozinium. Der "Gläristag" bildete in diesen Dörfern (Uhwiesen, Flurlingen, Feuerthalen und Langwiesen) seit früherer Zeit die einzige öffentliche Lustbarkeit des Jahres, in welcher Neujahrs-/Berchtoldstags- und Fastnachtsbräuche zusammengefasst waren. Sie begann jeweils am dritten Donnerstag im Januar und dauerte mehrere Tage. Auch in der heutigen Zeit wird dieser alte Brauch alljährlich von der Uhwieser Bevölkerung gefeiert.
Das Datum des Festes wird durch den heiligen Hilarius (13. Januar) bestimmt. Fällt der 13. Januar auf einen Freitag oder Samstag, so wird der Hilari an diesem Wochenende gefeiert. Fällt der 13. Januar jedoch auf einen anderen Wochentag, so findet der Hilari erst am darauffolgenden Wochenende statt. Zurückgeführt wird der Hilari auf die Sage des Burgfräuleins Berta von Laufen. Ein schwäbischer Ritter hielt einst um die Hand des Burgfräuleins von Schloss Laufen an. Da diese aber ihr Volk nicht verlassen wollte, wies sie den edlen Ritter zurück. In seiner Ehre verletzt, belagerte der Edelsmann mit seinem Gefolge die Burg. Berta schickte heimlich Boten aus, um Hilfe zu holen. Die Bauern der vier Cholfirstgemeinden (Uhwiesen, Flurlingen, Feuerthalen und Langwiesen) eilten kampfesmutig herbei, um ihre Herrin aus ihrer misslichen Lage zu befreien. Die Bauern vertrieben die Belagerer und befreiten Berta aus ihrer Not. Zum Danke schenkte Berta von Laufen den vier Gemeinden den Cholfirstwald. Es wurde ein Freudenfest gefeiert, welches bis heute, an eben diesem vorgenannten Wochenende im Januar, jährlich aufs Neue stattfindet. Zudem erhält noch heute jede Haushaltung in Uhwiesen gratis einen Christbaum für das Weihnachtsfest.
Wie der Hilari gefeiert wird
Bereits am Donnerstagabend des Hilariwochenendes fällt der inoffizielle
Startschuss des Hilari.
In Feuerthalen, Langwiesen und Flurlingen wird
abends um 18.00 der Hilari eingeläutet. In Uhwiesen findet lediglich
das alle zwei Jahre stattfindende Hilari-Schüler-Theater in der Turnhalle
statt.
Der offizielle Beginn des Hilari ist in allen Hilari-Gemeinden
am Freitagmorgen um 04.30 Uhr, ab 04.00 Uhr kann man sich vor dem Rest.
Hirschen Uhwiesen mit Glühwein und Hot Dogs stärken. In Uhwiesen
werden die Einwohner mit fünf Böllerschüssen unsanft aus
dem Schlaf gerissen. Sobald der letzte Schuss verhallt ist, beginnen die
Tambouren mit dem Einläuten, ein Marsch durch den alten Dorfkern und
den Dorfteil Mörlen. In der zweiten Einläutenabteilung folgt eine
Gruppe mit Kuhglocken, die von verschiedenen Bauern zur Verfügung gestellt
werden. Das Schlusslicht des Umzuges bilden die Pfannendeckler, welche
durchs Dorf scheppern und mit dem Hilari-Ruf den letzten Uhwieser aus den
Federn holen. Anschliessend werden bei einer Mehlsuppe im Rest. Hirschen
oder Rest. Neue Welt Hände und Magen gewärmt, sowie die Stimmbänder
geölt. Der Tagesverlauf wird dann durch das Luntschentreiben sowie
den Schülerhilari (entweder Theater oder Budenstadt mit anschliessender
Schüler-Disco) bestimmt. Der grosse Höhepunkt des Freitagabends
ist der Luntschenumzug um 21.30 Uhr. Vom Rest. Neue Welt aus begleiten wiederum
die Tambouren die Teilnehmer des Luntschenumzuges, die mit ihren Fackeln
eine gespenstige Stimmung ins Dorf bringen. Der Umzug führt in den alten
Dorfkern und zurück zur Villa Hilari, wo um Mitternacht die Prämierung
der originellsten Luntschen stattfindet. Jubel und Trubel in den dekorierten
Dorfbeizen mit Musik und Tanz, Bars und Bierschwemme sorgen für ein
Riesenfest bis in die Morgenstunden (Beizen durchgehend geöffnet!).
Am Samtstag beginnt um 14.15 Uhr der alljährliche
Schülerzumzug durchs Dorf. Alle zwei Jahre wird dieser Umzug
mit einer Ergänzung bereichert, und zwar mit diversen Sujetwagen,
welche von Vereinen und Gruppen gebaut werden. Ausgelassenes Treiben auf
dem Metzgplatz mit Guggenmusik und Schnitzelbank runden einen fröhlichen
Nachmittag ab. Nachher trifft man sich in der Villa Hilari (beim
VOLG) oder in einer der beiden Wirtschaften, wo abwechselnd nochmals die
Schnitzelbank vorgetragen wird. Während sich die Jugend in der Hilaridisco
vergnügt, verteilen sich die erwachsenen Luntschen in den Beizen oder
der Villa Hilari. Livemusik mit Tanz, Barbetriebe und Bierschwemme
begleiten die Hilaritreibende Bevölkerung bis am Sonntag morgen durch
die Nacht. Dieser Sonntag ist, so behaupten einige, in Uhwiesen der ruhigste
Tag im Jahr. Ein Sonntag, den Viele zum Ausschlafen und Aufräumen benutzen.
Der Hilari-Ruf
Am Freitagmorgen beim Einläuten werden die schlafenden Einwohner unter anderem mit dem Hilari-Ruf aus dem Bett geholt:
Gläristag juhee und nonämol juhee
und nonämol das Gleiche
Gläristag juhee, he, he
Wo händ er au dä Tee
d'Wiiber händ än gsoffä
und üüs hät's nüüt me
troffä
Gläristag juhee, he, he!
Der Pärli-Tanz
In den frühen Jahren dieses Jahrhunderts stand der Hilariverein nur den männlichen Uhwiesern offen. Diese hatten im Vorfeld vom Hilari die Aufgabe, ein Mädchen zum Tanz am Hilarisamstag einzuladen. Die Auserwählte wurde angefragt; sagte sie zu, so galt es zusätzlich den Segen ihrer Eltern einzuholen. Erteilte sie jedoch einen Korb, so wurde das dem Hilariverein umgehend bekannt, und dieses Mädchen musste den ganzen Hilari über zu Hause bleiben. Am Samstag trafen sich die Pärchen um halb zwei vor dem Hause des Mädchens. Man folgte dem Hilariumzug bis man schliesslich im Rest. Neue Welt Einzug hielt. Um 14.00 Uhr wurde der Tanz eröffnet. Während der Tanzpause von 18.00 - 20.00 Uhr begab man sich zum Mädchen nach Hause,wo man zusammen Znacht ass. Nachher ging der Tanz weiter bis am Sonntagmorgen um fünf Uhr. Fest steht, dass der Pärlitanz Grundstein einiger Uhwieser Ehen war.
Während des ersten und zweiten Weltkrieges waren die meisten Uhwieser Männer im Militärdienst, verlor sich allmählich der Brauch des Pärlitanzes. Als man nach einiger Zeit den Pärlitanz wieder aufleben lassen wollte, taten sich die Uhwieser Männer schwer, ein Mädchen zu fragen. Es kam die Idee auf, die Mädchen an eine Versammlung einzuladen, wo sie dann einen Mann aussuchen durften. Mit der Zeit wurde anstelle des Nachtessens zu Hause eine Metzgete im Restaurant Hirschen eingeführt. Zudem fand am Sonntagmittag ein Katerbummel ins Rest. Rheinhalde im Nohl statt. Die Beteiligung wurde von Jahr zu Jahr geringer, der Pärlitanz kam nicht mehr so recht in Schwung. So verschwand dieser Brauch allmählich aus dem Hilarigeschehen.
Das Schleiken
Geschleickt wurde ursprünglich in der Nacht vom Donnerstag auf den Hilarifreitag. Irgendwann wurde dieser Brauch vorverlegt, heute findet das Schleiken in der Nacht auf Silvester (30. auf den 31. Dezember) statt. Mit Beginn des letzten Tages im Jahr wird der Silvester analog des Hilari eingeläutet. Unterschied: Es gibt keine Böllerschüsse und anstatt des Hilarirufes gibt es den Silvester-Ruf:
Silveschter, Silveschter,
Silveschter stand uuf,
Silveschter, Silveschter,
streck Bei zum Bett uus!!
Nachher wird geschleikt. Da wird alles, was im Dorf bzw. um die Häuser herum steht und nicht ordentlich versorgt wurde, zum Schleckbrunnen (im Dorfkern) geschleikt, sodass der Besitzer am Silvestermorgen seine Sachen, unter hämischen Blicken der Nachbarn, beim Schleckbrunnen wieder abholen muss. Die Idee für diesen Brauch war offensichtlich ein sauberer und ordentlicher Start ins neue Jahr.
Das Heiseln
Von der Hilari-Generalversammlung werden Heiselmeister ernannt. Wenn Vereinsmitglieder heiraten, müssen diese Heiselmeister ein Einläuten wie am Hilari organisieren. Am Tage der Heirat, um 04.30 Uhr wird dann das Einläuten abgehalten. Nach dem Marsch durchs Dorf wird anschliessend beim Haus des Brautpaares gelärmt, bis das Paar aus den Federn steigt und den Umzug mit Speis und Trank versorgt. Ebenso sind die Heiselmeister für die Eintreibung des Heisels verantwortlich. Dieser ist vom Bräutigam zu entrichten, und zwar Fr. 2.00 pro Kilo der Braut oder ein Fass Bier, welches an der Generalversammlung getrunken wird. Mit dem Geld werden ebenfalls Getränke an der Generalversammlung finanziert.
Aussergewöhnliche Hilari
Während beider Weltkriege wurde der Hilari nur im ganz kleinen Rahmen abgehalten. Die Organisation und Durchführung erwies sich als sehr schwierig, da der gesamte Vereinsvorstand in den Wehrdienst eingerückt war. Im Jahre 1965/1966 grasierte die Maul- und Klauenseuche in Uhwiesen. Der Hilari wurde deshalb offiziell abgesagt, und nach aufgehobener Sperre zwei Wochen nach dem üblichen Wochenende doch noch durchgeführt. Als im Jahre 1991 am Hilari-Donnerstagmorgen der Golfkrieg im Irak ausbrach, gab es vereinzelte Stimmen (vor allem in Feuerthalen), die aufgrund der kriegerischen Ereignisse auf die Durchführung des Hilaris verzichten wollten. Zum guten Glück obsiegte der gesunde Menschenverstand und die Vernunft echter Einheimischer und der Hilari wurde samt grossem Umzug normal abgehalten.
Der nächste Hilari findet statt: