Sonntag, 01. August 1999 (San Francisco - Mammoth Lakes)

Route:
 
 
Ortschaft und Bundesstaat Meilenzähler ab Start Kilometerzähler ab Start
San Francisco CA 0 0
Oakland CA 23 37
Yosemite National Park CA 204 326
Mammoth Lakes CA 278 445
 CA=Kalifornien

Da heute die erste grosse Strecke auf uns wartete, standen wir dementsprechend früh auf. Als wir mit dem Lift in die Lobby hinunterfuhren, hatten wir als Begleiter einige geschleckte Amis im Lift. Alle im gleichen Hemd und Smoking und gekämmten Haaren ohne parallele Abweichung. Aufgrund der mitgeführten Utensilien konnten wir unschwer erkennen, dass sich die Herrschaften auf dem Weg in die Kirche befanden. In der Lobby holten wir unsere Wertsachen aus dem Safe und checkten dann aus.

Ohne Proviant machten wir uns auf in Richtung Downtown San Francisco. Wir bogen dann nicht wie gestern links zur Golden Gate Brücke sondern nach rechts auf die doppelstöckigeOakland Bay-Brücke. Diese Brücke wurde 1989 beim letzten grossen Erdbeben stark beschädigt. Ich kramte einige Dollars zusammen, da ich annahm auch hier Brückenzoll zahlen zu müssen. Laut unserer Karte sollte dies am Ende der Brücke stattfinden. Doch weit und breit war kein Zollhäuschen und keine Barriere zu sehen. Vielleicht war es heute gratis, da ja Sonntag war, doch die Häuschen werden sicher nicht abmontiert. Wahrscheinlich haben wir sie schlichtweg übersehen, da wir im Rückspiegel die letzten Blicke auf die Schwulenwelthauptstadt warfen. Wir fuhren nun durch das ebenfalls bekannte Oakland und einige andere Vororte bzw. Städte von San Francisco. Da heute der Berufsverkehr ausblieb, kamen wir dementsprechend gut voran. Unser Kollege Magen machte sich dann heute zum ersten Mal bemerkbar. Ein winziges Hüngerchen keimte auf. Mittlerweilen befanden wir uns schon auf dem Lande, links und rechts eher karge Wiesen und Felder. In einer Ortschaft in der Nähe von Manteca erwartete und das grosse gelbe und weltberühmte M von MC Donalds. Hier stärkten wir uns ein erstes Mal richtig.

Nachher ging es weiter ostwärts, und die Sonne hatte die letzten morgendlichen Wolken endgültig vertrieben. DJ Suri, der Herrscher über unsere Musikkassetten, sorgte immer wieder für frischen und harten Sound, der aus den Boxen dröhnte. Die Landschaft begann nun hügeliger zu werden, und einige kleinere und grössere Seen und Berge mussten wir umfahren oder erklimmen. Plötzlich stieg die Strasse enorm an, und die karge Landschaft verwandelte sich im Nu in bewaldetes Gebirge. Mein Ziel war es, noch vor dem Yosemite Nationalpark aufzutanken, und den nötigen Reiseproviant zu kaufen. In einem winzigen Kaff namens Groveland stoppten wir bei einer Exxon-Tankstelle mit Foodmarket. Wir suchten eine freie Zapfsäule aus, und als ich tanken wollte, bemerkte ich, das die Zapfsäule defekt war, easy die nächste war ja noch frei. Ich holte den Schlauch und lief zum Wagen zurück, der Schlauch wurde länger und länger und etwa zehn Zentimeter vor der Tanköffnung am Auto war der Schlauch gespannt wie ein Wäscheseil. Nun musste Suri den Schlauch halten, und ich fuhr den Wagen etwas vor und endlich konnte das Tankprozedere beginnen und erfolgreich zu Ende geführt werden. Bezahlen mussten wir im Laden, wo wir noch Proviant kauften. Genügend Wasser, Gatorade als Benzin für unseren Körper (ich bevorzugte das Lemon-Gatorade und Thomas das Blueberry-Gatorade das wie Scheibenwischerflüssigkeit aussah), als feste Nahrung noch Sandwiches sowie Butterfinger- und Baby Ruth Schokoladenstengel, zwei göttliche Produkte die es aufgrund des Inhaltes (gentechnisch verändertes Soja) in Europa (noch) nicht gibt. Zudem entdeckten wir hier oben am A.... der Welt auch Red Bull, etwa gleich teuer wie bei uns, damit deckten wir uns ebenfalls ein. Thomas kaufte noch geräuchte Buffalo-Sticks, ein herrlicher Knabberspass für zwischendurch. Die Reise ging weiter, durch herrliche Wald- und Berglandschaft.
Am Strassenrand entdeckten wir ein totgefahrenes Reh, das da lag als ob es schlafen würde.

Am Westeingang zum Yosemite Park kauften wir beim Ranger den Golden Eagle Pass für 50 Dollar. Mit diesem Pass hat man ein Jahr lang Eintritt in alle Nationalparks der USA, bereits beim Besuch von vier Parks lohnt sich diese Anschaffung. Bereits die Einfahrt in den Park verschlägt einem schlichtweg die Sprache, das Yosemite Valley ist tatsächlich eines der spektakulärsten geologischen Geschenke unserer Mutter Erde. Der Park ist im Sommer von Touristen überflutet (4 Millionen Besucher pro Jahr) und im Winter grösstenteils geschlossen (Schnee soweit das Auge reicht). Bald erreichten wir das Zentrum des Parkes das Yosemite Village. Hier bogen wir nach rechts ab, wo uns die Strasse hinauf zum Glacier Point brachte. Von hier oben hat man einen herrlichen Ausblick auf die Wasserfälle (183 Meter hoch), und die berühmtesten Berge im Park, den El Capitan (grösste freistehende Granitformation der Welt) und dem Half Dome (steilster Felsen Nordamerikas). Dieser Ausblick vom Glacier Point ist ein absolutes Muss und Highlight für jeden Kalifornienbesucher! Nach kurzer Rast machten wir uns wieder zurück zum Yosemite Village. Wir hatten bereits viele schöne Fotos geschossen. Im Village wimmelte es nur so von Touristen, sodass wir direkt weiter zum Tioga Pass hinauf fuhren. Eine lange Passstrasse, die uns auch an abgebrannten Bäumen vorbeiführte. Oft werden die Brände mutwillig gelegt, deren Ausmass nicht mehr kontrollierbar ist. Apropos Tioga, viele der beliebten Wohnmobile tragen die Aufschrift "Tioga", da diese Fahrzeuge wie Zirkuswagen aussehen und im Schneckentempo fahren, tauften wir sämtliche Wohnmobile auf Zirkus Tioga um. Diese Fahrzeuge sollten uns noch die ganzen Ferien verfolgen bzw. vor der Nase fahren. Nach einiger Zeit erreichten wir die Tioga-Pass-
Höhe (3031 M.ü.M) zugleich auch östlicher Parkeingang. Auch auf dieser Seite wiederum ein grandioses Panorama in Richtung Mono Lake hinunter. Hier machten wir auch einige schöne Fotos unseres Mietwagens. Die Strasse ging kräftig bergab, und unten im Tal angelangt, konnten wir einige Ausblicke auf den Mono Lake erhaschen, ein toter See aus dem bizarre Kalktufftürme ragen. Der See liegt wie auf einer vulkanischen Hochebene.

Weiter ging das letzte Teilstück nach Mammoth Lakes hinauf. Oben angelangt, steuerten wir direkt
das Motel 6 an, wo wir unser Zimmer mieteten. Für das Abendessen hatte wiederum das Alpenrose Restaurant vorgeschlagen, eine rustikale Beiz die unter Schweizer Führung steht. Bereits zum dritten Mal besuchte ich dieses Restaurant, und das erst noch am Schweizer Bundesfeiertag. Zur Vorspeise vertilgten wir heimatliche Kost, ein feines Raclette. Wir blieben schweizerisch und wählten zur Hauptspeise das Zürcher Geschnetzelte. Mittlerweile war nun auch die Schweizer Wirtin anwesend, sie befand sich vorher bei einer kleinen Bundesfeier unter Schweizer Auswander in der Nachbarortschaft. Nach einem kleinen Small Talk und mittlerweile vorgerückter Stunde machten wir uns auf den Weg zum Motel.

Unterwegs fanden wir noch die Post, wo wir unsere Ansichtskarten frankieren und einwerfen konnten. Im Motel schauten wir noch fern, und zwar Baseball, diese Sportart faszinierte mich immer mehr. Obwohl es draussen recht frisch geworden war, liessen wir über Nacht unseren Mr. Freeze kräftig arbeiten. Sprich, die Klimaanlage kühlte die Temperatur im Zimmer derart ab, das es eigentlich hätte schneien müssen. Aufgrund unserer weiten Tagesreise waren wir recht müde, sodass wir bald einschliefen.