Route:
| Ortschaft und Bundesstaat | Meilenzähler ab Start | Kilometerzähler ab Start |
| Kingman AZ | 0 | 0 |
| Seligman AZ | 89 | 142 |
| Meteor Crater AZ | 226 | 362 |
| Flagstaff AZ | 293 | 469 |
Da uns wiederum einige Reisemeilen erwarteten, waren wir dementsprechend
früh auf den Beinen.
Es war ein tolles Gefühl, direkt an der alten und legendären
Route 66 übernachtet zu haben. Bevor wir losfuhren, lief ich auf die
Strasse und küsste in Papstmanier "meine" Route 66 ab. Was haben wohl
die vorbeifahrenden Leute gedacht??
Es ging ostwärts los und schon bald umgab uns karge Wiesenlandschaft.
Wir fuhren gemächlich voran und verspeisten zum Frühstück
unsere obligaten Snacks, Beefsticks, Butterfinger, Mineralwasser und Gatorade
(ich bevorzugte Lemon und Thomas Blueberry). Es hatte kaum Verkehr, einzelne
Radfahrer kamen uns entgegen. Wir passierten Käffer wie Hackberry,
Valentine, Truxton und Nelson. Zusammen dürften hier etwa 200 Seelen
wohnen.
Nach knapp zwei Stunden erreichten wir den verschlafenen bzw. halb
ausgestorbenen Ort Seligman. Eine der berühmtesten Orte an der Route
66. Hier lebt der Präsident einer Vereinigung, die den Erhalt der
alten Route 66 unterstützt. Dieser Mann ist zugleich Barbier und wohnt
schon seit Menschengedenken hier. Aufgrund einer Fernsehdokumentation wusste
ich, dass er seinen Salon bei einem Souvenirladen im Hinterzimmer hat.
Dieses Haus entdeckten wir auch, wir waren wohl nicht die Einzigen die
das wussten, parkierten doch schon einige Autos und Reisecars hier. Wir
stellten unseren Dodge am Strassenrand ab und machten unvergessliche Fotos
von hier. Dann gingen wir in den Laden und mir verschlug es fast die Sprache.
Unzählige Souvenirs mit dem Route 66-Emblem waren hier zu haben. Ich
hätte mich stundenlang mit durchstöbern verweilen können.
Der Barbier war an der Arbeit, leider hatte ich aufgrund meiner
1mm-Frisur keinen Haarschnitt nötig und rasiert war ich auch schon.
Ich wählte einige Souvenirs aus, eine Tonne T-Shirts und dergleichen.
Als ich mit meiner VISA-Card zahlen wollte, erklärte mir die freundliche
Ladeninhaberin das dies wohl einer der einzigen Orte in den Staaten sei,
wo noch nicht mit Kreditkarte bezahlt werden kann. Mir blieb nichts anderes
übrig als im Auto meine Travellerchecks zu holen. Dies ging dann unproblematisch
und die Frau hatte die helle Freude an mir. Zuletzt schob sie mir ein Gästebuch
unter die Nase, wo wir uns verewigen konnten. Also Freunde, wenn ihr dort
mal reinschaut sucht unsere Unterschriften!! Neben dem Laden hatte es eine
Exxon-Tankstelle wo ein reichlich beschmückter Oldtimer stand, eine
lustige, originelle Karre.
Kurz nach Seligman bogen wir auf den grossen, neuen Highway ein.
Wir fuhren ostwärts weiter, es ging kontiunierlich bergauf, durch
wunderschöne Landschaften mit Rinderweiden und durch grüne, gesunde
Wälder. Ueberall standen Warntafeln die uns auf möglichen Elchverkehr
aufmerksam machten. Kurz nach Mittag erreichten wir Flagstaff, ein netter
Ort, der verwinkelt im Wald liegt. Wir entschlossen uns, die Ausfahrt mit
dem Burgerking zu nehmen um dort Nahrung aufzunehmen. Am Abend wollten
wir in Flagstaff übernachten.
Es ging aber noch weiter zum Meteor Crater, der grösste Krater
auf unserer Erde, der durch einen Meteoriteneinschlag verursacht wurde.
Die Fahrt ging weiter durch Wälder und plötzlich befanden wir
uns wieder auf karger Ebene, der Kratereinschlag hatte hier wohl die Vegetation
praktisch ausgelöscht. Der Besuch bzw. die Aussicht in den Krater
kostet zwar ein paar Dollar, lohnt sich aber allemal. Der Krater ist gut
einen Kilometer breit und 150 Meter tief. Ein Museum über Kratereinschläge
und die amerikanische Raumfahrt befindet sich auch noch hier und der Souvenirladen
selbstverständlich. Ich hätte hier noch gerne ein paar Erinnerungen
gekauft, leider hatte es dieses Jahr nichts gescheites hier. So machten
wir uns wieder auf den Rückweg nach Flagstaff.
Als Uebernachtungsort hatte ich das gleiche Motel 6 wie im Vorjahr
ausgesucht, leider stand auf der Leuchtreklamentafel bereits "no vacancy"
also ausgebucht. In unserem praktischen Motel 6-Guide entdeckten wir ein
weiteres Motel 6 quasi um die Ecke. Dort angekommen schnappten wir uns
eines der letzten Zimmer. Nach dem üblichen Ritual (Duschen, Fernsehen)
stiegen wir am frühen Abend in den Wagen um den Ort auszukundschaften.
In einem riesigen Supermarkt schnupperten wir ein wenig umher, Himmel was
es hier alles zu kaufen gibt. Wir beschlossen, jetzt endlich einmal den
Jack in the Box zu besuchen, ein weitere Fast-Food-Kette in den USA. Trotz
meinem vierten US-Trip schaffte ich es noch nie dort einzukehren. Wir fuhren
los und suchten die halbe Stadt ab, ohne Erfolg. Unterwegs sahen wir ein
schmuckes Restaurant mit dem Namen Gem's Pancake House, da wir kurz vor
dem Hungertod standen enterten wir diesen Laden.
Das Restaurant war fast voll belegt, wir mussten aber nur kurz warten
und wurden an einen freien Tisch geführt. Beim Studium der Speisekarte
bemerkten wir, dass unsere Tischnachbarn aus Deutschland kamen. Zwei Ehepaare
mit Kinder waren kurz vor uns ins Restaurant gekommen. Die beiden Männer
unterhielten sich recht laut auf Deutsch, wir amüsierten uns köstlich
an dem Geschwafel. Vor den eigenen Ehefrauen machten die Beiden anzügliche
Sprüche über die Servierdüse (ich machte dasselbe aber nur
in meinen Gedanken). Sie tranken Bier um Bier und erzählten, sie hätten
einen Truckerfahrer beim Reifenwechsel beobachtet, der den LKW ohne Wagenheber
anhob, so ein Käse.
Nachdem wir auch hier köstlich gespiesen hatten, beschlossen
wir noch in die Bar im Nebenraum zu gehen. An der Tür hing eine Dangertafel,
als wir eintraten wussten wir auch warum. Die Dartscheibe hing eine Handbreit
von der Tür entfernt. In der Bar war wenig los, es liefen drei Fernseher
mit unterschiedlichem Programm. Baseball, Golf oder Tennis flimmerten ohne
Ton auf den Mattscheiben. Wir bestellten bei der Bardame je ein Bier. Sie
stellte uns je ein Bud auf den Tresen, kassierte ein und vergnügte
sich nun barfuss beim Dartspiel. Plötzlich tauchte die Servierdüse
vom Restaurant auf und löste für uns eine Rätsel. In der
Beiz gab es zwar Wein aber der musste immer aus der Bar geholt werden.
Hinter dem Tresen füllte das Girl den Wein aus einem Tetrapak mit
Zapfhahn ab. Für uns unverständlich, do ich prophezeihe bei uns
wird das auch mal an der Tagesordnung sein. Vor zehn Jahren war es auch
noch unverständlich, Weinflaschen mit Drehverschluss herzustellen,
oder?
Wir beliessen es bei einem Bier, schliesslich wollte ich nicht zu
stark alkoholisiert auf den Strassen Amerikas ins Motel zurückfahren.
Aufgrund der Höhenlage war es nachts sehr kühl in Flagstaff,
wir konnten im Motelzimmer Mr. Freeze ausnahmsweise pausieren lassen. Ein
weiterer grandioser Tag neigte sich dem Ende entgegen.